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Der Mann, der die Vögel liebte

Der Mann, der die Vögel liebte

Erzählungen

Pharos BuchVerlag 2004

220 Seiten, gebunden                                                                                                                                                                          

ISBN 3-933963-83-4

“Eine Rede am Grab des fremd gewordenen Freundes, die mit dem Erbe belohnt werden soll - Die Geburt der Literatur aus der Steuerprüfung - Der im Traum vorhergesehene Tod des Zimmernachbarn im Gebirge - Die große Versuchung des siebenjährigen Jungen - Die Freundschaft zweier Männer, die auszogen, wie Alexis Sorbas zu sein -
So unterschiedlich die Stoffe und Handlungen auch sind: allen Geschichten gemeinsam ist die Bravour, mit der Renke Korn sie erzählt und genaue Beobachtung der Realität mit spielerischer Leichtigkeit und Ironie verbindet.” Verlagstext

 

“Renke Korn ist vorwiegend bekannt geworden als Autor und Regisseur von Theaterstücken, Filmen und Hörspielen. Mit dem Buch Der Mann, der die Vögel liebte legt er erstmals ein längeres Prosawerk vor, fünf Erzählungen, und erweist sich auch hier als ein Könner ersten Ranges. Korns Sprache umspielt und verbindet das Abgründige und das scheinbar Banale, das Tragische und das Komische, das Vertraute und das Unvertraute, hat dabei stets Tempo und Geschmeidigkeit und erreicht so, daß der Leser vom Anfang bis zum Ende jeder Geschichte gefesselt bleibt. Erfrischend auch die Konkretheit und Wirklichkeitsnähe, die Erfahrungsfülle und Detailgenauigkeit, die es nahezu verbieten, diese Geschichten in Kurzform nachzuerzählen, was ja eigentlich von einem Rezensenten erwartet wird. Nur soviel: das ist auch in gewisser Weise ein Buch über Männerfreundschaften, denn allein drei der fünf Geschichten umkreisen dieses Thema. Aus anderem Stoff ist die Erzählung Die Reise nach Jerusalem, die besonders die Bravour Korns, von der der Verlag zu Recht spricht, unter Beweis stellt, insofern sprachliche Genauigkeit, geschickte Konstruktion und souveräner Umgang mit den formalen Mitteln eine überzeugende Verbindung eingehen. Man hat dieser Erzählung antisemitische Tendenz vorgeworfen. Das ist schlicht Unsinn ( nur vielleicht für den nicht, der dumm genug ist, jede Kritik an israelischer Politik in diesen Topf zu werfen ). Sie ist vielmehr eine amüsante Paraphrase über Tabus und Mechanismen unseres Kulturbetriebes und über die Schwierigkeiten, im Klima der opportunistischen politischen Korrektheit die Wahrheit zu schreiben.

Wer Erzählungen mag und dabei nicht schnell verdauliche Strandlektüre erwartet, sondern Substanz, Ernsthaftigkeit und Denkvergnügen zugleich, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.”     Tim Geffers / Literaturjournal 9/2004

 

“Fünf Geschichten sind in dem Band versammelt, die den Leser unweigerlich in den Bann ziehen. Korn ist darin den Tiefen und Untiefen zwischenmenschlicher Beziehungen auf der Spur. In den Fokus gerückt werden vor allem Männerfreundschaften, die stets ebenso überraschende wie eigenartige Wendungen nehmen. Dabei halten die Texte die Waage zwischen realistischer Darstellungsgenauigkeit und einem ausgeprägten Gespür für die Zwischentöne in menschlichen Beziehungen, mit denen sich das Abgründige, das Subversive ankündigt.”      Jochen Crywatsch /  Westfalenspiegel  ( 1/2005 )

 

“Wein, Wasser, Bier, Handys aus ...  Soweit die mittlerweile alte Leier. Gemessen an den Veränderungen im Buchhändlerkeller aber ist hier seit Jahresanfang dauernd Premiere, heute die der neuen Stühle. Eigentlich ein bisschen zu fein, da sie aber so gut wie geschnorrt sind, bleibt das traditionell jugendlich-ärmliche Element dieses Ortes gewissermaßen virtuell im Repräsentativen enthalten. Und genau das, das Neue und die schon immer bestehende Komplexität des Realen sollen auch den heutigen Abend bestimmen.

Zunächst das Neue: Mit seinen 66 Jahren liest der Berliner Autor Renke Korn hier zum ersten Mal. Trotzdem kein Wunder: Der Mann ist Dramatiker. Auf seiner Homepage kann man die lange Liste seiner Theaterstücke, Hörspiele - allein davon gibt es ungefähr 25 -  Features und Drehbücher nachlesen. Bei seinen frühen Fernsehspielen war ich als Redakteur noch selber Geburtshelfer. Seit geraumer Zeit ist er auch Regisseur und Produzent. Und rund um diese dramatischen Produktionen entfalteten sich auch seine organisatorischen Aktivitäten; er war Mitbegründer des Verlags der Autoren und der "Woche des Hörspiels", eine Zeitlang Leiter der "Berliner Hörspieltage" und war aktiv im VS. Er malt auch. Die Rubrik "Lyrik" aber fehlt ganz, und unter "Prosa" finden wir ein einziges Buch, nämlich das, aus dem er heute lesen wird, den Erzählungsband "Der Mann, der die Vögel liebte", erschienen im Pharos-Verlag. Dieses und eine Reihe seiner Hörspiele auf  CD kann man wie immer nach der Lesung am Tresen kaufen.

Ein neuer Prosa-Autor also. Der Band enthält 5 Geschichten zwischen 3 und gut 180 Seiten. In allein drei davon, den umfangreichsten, geht es um die Erinnerung an Männerfreundschaften, um das Erzählen von Menschen, die entweder tot oder auf andere Weise abhanden gekommen sind. Jeder auf seine Weise stellte etwas Besonderes dar, lag quer zur gesellschaftlichen Norm, konnte nicht aus seiner Haut, und schon oder nur deshalb gibt es etwas von ihnen zu erzählen, jedenfalls für Korn. Die Erzähler dagegen werden mit den Attributen einer eher gemäßigt bürgerlichen Existenz und mit einer gewissen Akribie und Ängstlichkeit ausgestattet. Sie sind Lehrer oder noch lieber Schriftsteller, jeder eine Art bescheidener Dr. phil. Serenus Zeitblom, nur dass sich Korn niemals solche Thomas Mann'schen Namensextravaganzen erlauben würde. Seine Chronisten heißen schlicht Wilfried Grotte, Dirk Junkersheim oder auch einfach Gerd, und sie kommen auch nicht aus z.B. Kaisersaschern, sondern aus Höxter oder Soest oder Iserlohn, überhaupt gern aus dem Sauerland oder der Umgebung des Ruhrgebiets, wie der Autor selbst. Dass ich den Ort Germerungen  n i c h t  im ADAC-Atlas gefunden habe, hat mich eher gewundert...

Korns Geschichten sind durch und durch realistisch mit ironischen oder satirischen Obertönen. Eigentlich aber handeln sie von Träumen, von den Träumen seiner Figuren, aber auch seiner Leser und vielleicht seinen eigenen, nämlich der Stagnation zu entgehen und, wie jene Unangepassten,  auszubrechen aus Normalität und Korrektheit, aus Ordnung und Sicherheit hinein ins Spontane, Originelle - es muss ja nicht gleich, wie in diesen Geschichten, in der Selbstzerstörung enden. Aber nicht nur die Besonderen, die "Spinner" müssen so handeln, wie sie handeln, auch die Chronisten müssen erzählen, Beobachter oder Mitläufer zu sein, ist ihre Rolle, die Umstände, die Renke Korn ihnen erfindet, zwingen sie dazu, und so ist auch das Erzählen als Thema immer präsent.

Als Dramatiker entwirft Renke Korn seit vierzig Jahren "handelnde Personen", wie es das Drama verlangt, und es sollte nicht verwundern, dass Handlung und Dialog auch diesen Band Prosa bestimmen. Dialoge in lakonisch-schnoddrigem Alltagsjargon, Handlung in subjektiver Rückschau, aus neutraler Distanz oder aus einer Mischung aus beidem. In der Geschichte "Die Reise nach Jerusalem" und der Titelerzählung "Der Mann, der die Vögel liebte" sind die Schriftsteller Arne Gassner und Wilfried Grotte gezwungenermaßen "handelnde Person" und Erzähler zugleich. Indem Arne Gassner einem Steuerprüfer eine Israel-Reise als "beruflichen Aufwand" erklären muss, entsteht ein hochdramatisches Filmexposé, also Literatur. Am Ende könnte der Steuerprüfer zufrieden gestellt sein, der Abschreibungs-Münchhausen siegen, und sein Exposé aus dem Stegreif vielleicht sogar Arne Gassner selbst überzeugen. In die Realität zurück bringt ihn dann allerdings ein grauenhafter Pragmatiker: ein Fernsehproduzent. Wirkliche Gewinner gibt's in dieser Prosa nicht.

Apropos hochdramatisches Filmexposé: Gerade weil Korn schon immer ein dezidiert politischer, linker Autor war, sollte der Verdacht, dass er beim Thema Israel und die Palästinenser die Zwänge deutscher politischer Korrektheit missachten könnte, nicht zu voreiligen Unterstellungen führen. Für diese "Geburt der Literatur aus dem Geist der Steuerprüfung" gilt eher: Nicht das Kind, die Wehen sind das Ziel.

Auch in der Titelgeschichte "Der Mann, der die Vögel liebte" entsteht Literatur aus einer ganz unliterarischen Vorgabe, aus einer Testamentseröffnung. Und ausgerechnet, wenn im Kino, im Film, eine Reihe amerikanischer Superstars erlebt, was passiert, "wenn Träume fliegen lernen", landet "Der Mann, der die Vögel liebte" auf dem harten Boden von Korns Prosa. Teile dieser Erzählung machen den Anfang der heutigen Lesung. Bitte sehr, Renke Korn.”

      • Jürgen Tomm:   Einführung zu Renke Korns Lesung aus “Der Mann, der die Vögel liebte” am 17.2.05 im Berliner Buchhändlerkeller

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